Montag, 11. November 2013
Kämpfen
Ich lese es immer und überall: man muß kämpfen. Ich habe gegen den Krebs gekämpft. Ich habe für bessere Bedingungen in der Arbeitswelt gekämpft. Sie hat sich zurück ins Leben gekämpft.

Alle kämpfen.

Ich bin der Meinung, es gibt nichts falscheres, was man tun kann, als zu kämpfen. Kampf bedeutet immer, enorm viel Energie aufzuwenden. Und vor allem bedeutet es, gegen etwas, gegen jemanden vorzugehen. Mit anderen Worten, einer muß verlieren, denn einer nur kann den Kampf gewinnen. Also bleibt einer auf der Strecke. Ist das wirklich wünschenswert?

Ist es nicht viel sinnvoller, sich mit dem, was einen stört, erstmal auseinanderzusetzen, zu hinterfragen, warum ist das jetzt in mein Leben getreten und warum mag ich dieses oder jenes nicht. Sich mit dem, was man "bekämpfen" will, zunächst einmal zu verbünden und schauen, ob man nicht gemeinsam einen besseren Weg finden kann.

Kämpfen hat sowas Brachiales, dabei geht einfach zuviel kaputt. Und selbst, wenn man der Gewinner ist, ist man geschlaucht, weil einfach viel zu viel Energie flöten ging. Kampf ist also im Endeffekt schädlich für beide Seiten.

Es gibt einen viel einfacheren und vor allem, viel effektiveren Weg. Das ist, eine Situation einfach zunächst einmal annehmen. Egal, wie schrecklich sie auch ist. Wenn du sie akzeptierst, hast du den ersten entscheidenden Schritt getan. Probier es aus, es macht dich gelassener und auch objektiver.

Nehmen wir als Beispiel, dass du zu dick bist. Gegen das Dicksein ankämpfen?! Ja, das lieben Medien und suggerieren dir, dass du unbedingt deine Pfunde bekämpfen musst. Das kannst du zum xten Mal auch gerne tun um dann wiederum festzustellen, dass es langfristig nichts bringt.

Es bringt dir tatsächlich mehr, dauert aber auch erheblich länger, ist dafür aber nachhaltig, wenn du akzeptierst, dass du dick bist und dass du dafür selbst verantwortlich bist. Der nächste Schritt: was ist so schlimm daran, dick zu sein. Willst du abnehmen oder lässt du dich beeinflussen und glaubst, dass du abnehmen willst. Diese Frage lässt sich viel leichter klären, wenn du dir klar machst, dass es deine Verantwortung ist, dick geworden zu sein. Vielleicht fühlst du dich ja wohl und dann ist doch alles in Ordnung. Wenn du wirklich abnehmen willst, dann erstelle dir einen Plan und fange langsam damit an. Deshalb brauchst du aber nicht kämpfen, du musst dich nicht quälen und darben.

Am einfachsten geht so etwas, wenn man sich auf etwas anderes konzentriert. Ich habe z.B. aufgehört mit dem Rauchen, indem ich mir vorgenommen hatte, Sport zu treiben. (es muss aber wirklich auch was sein, was einem Spaß macht). Ich habe mir immer wieder vorgestellt, wie toll ich mich fühle, wenn ich lange und ausgiebig joggen kann. Und dann habe ich damit angefangen. Indem ich mich mehr und mehr mit meinem Sport befasst habe, wurde das Verlangen nach Rauchen weniger und irgendwann hörte es ganz von alleine auf.

Du glaubst das nicht? Probiere es einfach aus. Egal, was dein Problem ist, die einfachste Art, damit fertig zu werden ist, dich auf etwas anderes zu konzentrieren. Dadurch verliert ein Problem seine Macht über dich und verliert quasi das Interesse an dir.

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